Flüchtlingshilfe in Tulln: Nachbericht Infoabend

Bild: aa_fluechtlingshilfeinfo.gif

Am 6. Oktober lud die Stadtgemeinde Tulln zu einem Infoabend über die Flüchtlingshilfe in Tulln. Behandelt wurden die Entstehungsgeschichte und aktuelle Situation in Tulln, persönliche Erfahrungsberichte sowie die Maßnahmen des Landes NÖ und die Wohncontainer-Unterbringung für 100 Ayslwerber in Tulln.


Infoabend, 6.10.2015 - Ablauf & Inhalte

Moderation
MMag. Dr. Erlefried Olearczick MBA, Unter-nehmensberater und eingetragener Mediator


Einleitung/Begrüßung
Bürgermeister Mag. Peter Eisenschenk

Nach den einleitenden Worten des Moderators MMag. Dr. Erlefried Olearczick (Download Powerpoint-Präsentation) begrüßte Bgm. Eisenschenk die rd. 300 Teilnehmer. Er wies auf die Notwendigkeit der Hilfe in dieser Krise hin und betonte, dass sich Tulln nicht von seiner Verantwortung ausnehmen kann. Statt auf das Durchgriffsrecht des Bundes und die Zwangszuweisung zu warten, stellt man sich der Herausforderung und versucht, eine verträgliche und vertretbare Lösung zu finden. Dass Unsicherheiten und Ängste vorhanden sind, ist nur natürlich und menschlich. Wichtig ist, sich objektiv zu informieren - und das sei das Ziel des Abends.

Entstehungsgeschichte und aktuelle Situation in Tulln
Stadtamtsdirektor DI Dr. Viktor Geyrhofer

Derzeit (Stand 6.10.) leben 39 Asylsuchende in Tulln, deren Betreuung dank aktiver Organisationen und privater Initiativen sehr gut läuft. Voraussichtlich bis Ende Oktober werden in Tulln 100 weitere Personen in Wohncontainern untergebracht, deren Herstellung und Betreuung das Land NÖ beauftragt. Die Stadtgemeinde Tulln hat sich hier erfolgreich für fünf kleinere Standorte mit je 20 Personen statt einem großen "Lager" eingesetzt, das ursprünglich geplant war. Die Container-Unterkünfte entstehen an folgenden Standorten: Josef-Reither-Straße 19, Tulbinger Straße 18 in Langenlebarn, Areal der Pfarre St. Stephan, Areal der Pfarre St. Severin, Frauenhofen Hnr. 19.
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Erfahrungsbericht
Dr. Wolfgang Apfelthaler, Plattform Flüchtlingshilfe

Die "Plattform Flüchtlingshilfe" wurde auf Initiative von Bgm. Eisenschenk Anfang des Jahres von den Pfarren St. Severin, St. Stephan und der evangelischen Pfarrgemeinde gegründet und betreut die Flüchtlinge in Tulln. Mittlerweile ist ein Netzwerk aus Helfern und Ehrenamtlichen entstanden, das eng und sehr gut zusammenarbeitet. Dazu zählt das Rote Kreuz, die private (facebook-)Initiative "Tulln hilft" und viele weitere Gruppierungen. Ein neues Projekt ist das wöchentliche Begegnungscafé, bei dem sich BürgerInnen und AsylwerberInnen jeden Sonntag (ab 18.10.) von 15 bis 17 Uhr im Rosenheim in entspannter Atmosphäre begegnen und kennenlernen können. Gebündelt werden Angebote und Informationen seit kurzem auf der neu geschaffenen Website tulln.hilft.at, auf der man sich auch selbst mit seinen Hilfsangeboten registrieren kann.

Erfahrungsbericht
Michael Weissmann, Bezirkskommandant Rotes Kreuz

Derzeit (Stand 6.10.) wohnen in der Bezirksstelle des Roten Kreuzes in Tulln 18 Personen und werden hier betreut. Das Engagement der Asylwerber ist sehr groß: Ihre erste Frage nach der Ankunft war nicht nach Essen oder ihrer Unterkunft, sondern die Bitte nach Deutschunterricht. Auch bei der Betreuung der Transitflüchtlinge in den Messehallen im September haben die Asylwerber tatkräftig und bis zur völligen Erschöpfung mitgeholfen. Alle Schulpflichtigen gehen in die Schule und auch alle anderen erhalten täglich Deutschunterricht. Wichtig ist, mit Offenheit und ohne unvoreingenommen auf die Personen zuzugehen - es sind Menschen wie wir.

Info des Landes NÖ: Hintergründe der Flüchtlingssituation und Maßnahmen des Landes
Mag. Peter Anerinhof, Abt. Staatsbürgerschaft & Wahlen

In einem umfassenden Vortrag erläuterte Mag. Anerinhof die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Flüchtlingskrise und den Maßnahmen des Landes Niederösterreich. Dadurch konnten bereits viele Fragen vorab geklärt werden:
- derzeit kommen rd. 70% Einzelpersonen (Rest Familien)
- Unterschiede zwischen Voll- und Selbstversorgung der Asylwerber
- Höhe der finanziellen Zuwendungen (z.B. € 200,- für Schulbedarf/pro Kind/Jahr oder € 150,- für Kleidung/Person/Jahr)
- Leistungen der Grundversorgung: Unterbringung, Krankenversicherung, Taschengeld, etc.
- Tagesstrukturierung und Beschäftigungsmöglichkeiten von Asylwerbern
- Verbleibedauer: Dauer Asylverfahren meist zw. 6 und 9 Monaten
- etc.
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Container-Unterbringung, konkrete Umsetzung
Christian Kogler, SLC Europe Eder

Die Fa. SLC Europe wird die fünf Wohncontainer-Standorte in Tulln betreuen. Die Standorte werden aus jeweils 14 Containern (10 Schlaf-, 3 Wohn- und 1 Sanitärcontainer) bestehen. Es wird eine 24-Stunden-Betreuung geben - dafür werden 1 SozialarbeiterIn und 3 AsylbetreuerInnen eingestellt, die rund um die Uhr für die 100 Personen da sind und auch direkte Ansprechpartner für Anrainer sind. Es wurden bereits mehrere dieser Projekte realisiert, die sehr gut und großteils ohne jegliche Probleme laufen.

Eine Zusammenfassung der Fragen aus dem Publikum und den Antworten des Podiums demnächst auf tulln.hilft.at

     

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