Mehr als 1.000 Inputs zur Umgestaltung des Nibelungenplatzes

Alle im Gemeinderat vertretenen Parteien sind sich darüber einig, dass der Nibelungenplatz verändert werden soll. Wie diese Umgestaltung aussehen soll, das wird in mehreren Schritten gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt und letztlich durch eine Volksbefragung geklärt. Die erste intensive Phase ist abgeschlossen, die Beteiligung ist erstaunlich: Innerhalb von acht Wochen haben sich über 1.000 Personen via Online-Umfrage, per E-Mail und Dialogkarten sowie vor Ort beim Dialograd zum Projekt eingebracht. Ein breites Spektrum an Vorstellungen und Anliegen konnte so gesammelt werden und bildet ein vielfältiges Ideendepot für die weitere Bearbeitungsphase, wenn es an die Entwicklung unterschiedlicher Gestaltungsvarianten geht. Noch liegen also keine Planungsvorschläge vor.

In der ersten Auswertung der ersten Phase des Bürgerbeteiligungsprozesses konnte nur staunend zur Kenntnis genommen werden, wie groß das Interesse ist. „Es ist beeindruckend, dass sich über 1.000 Interessierte einbrachten, ich bedanke mich dafür sehr herzlich. Es ist toll, wie viele Meinungen es dazu gibt, wie der Platz ausschauen sollte, welche Veränderungen gewollt sind und welche nicht“, so Bürgermeister Mag. Peter Eisenschenk.

Klimafitness und Aufenthaltsqualität
Wichtige Aspekte im Rahmen des Bürgerdialoges gelten den qualitativen Aufenthaltsmöglichkeiten und vor allem auch der Klimafitness – denn gerade in den aktuell besonders heißen Tagen zeigt sich, wie sehr der Nibelungenplatz zu einer Hitzeinsel wird. Das spiegelt auch die Online-Umfrage wider: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden empfinden den Platz im Sommer als unangenehm heiß. Die Mehrheit der TeilnehmerInnen meinte außerdem, dass der Nibelungenplatz besser gestaltet werden könnte und dass Klimafreundlichkeit und Klimawirksamkeit grundsätzlich wichtige Anforderungen in der Gestaltung öffentlicher Räume sind. Dementsprechend überrascht es nur wenig, dass sich nur ein Viertel der Teilnehmenden den Nibelungenplatz in der Zukunft als völlig unverändert wünscht.

Parkplätze sind wesentlicher Faktor
Gleichzeitig wurden in dieser ersten Phase des Prozesses auch Bedenken hinsichtlich einer Neugestaltung des Platzes formuliert, speziell gegenüber einer möglichen Reduzierung der Stellplätze. Eine logische Forderung, zumal – laut Umfrage – die große Mehrheit der BesucherInnen mit dem eigenen Auto in die Stadt Tulln kommt und fast jeder Fünfte der Teilnehmenden regelmäßig am Nibelungenplatz parkt. Der Platz ist vor allem an den Wochenenden Ausgangspunkt für Freizeitaktivitäten an der Donaulände.

Verschiedene Gestaltungsvarianten sollen den öffentlichen Diskurs bereichern
Eine zentrale Aussage der Umfrage war jedenfalls, dass sich die große Mehrheit den Platz in Zukunft – in nicht definiertem Umfang – verändert und mit neuen Qualitäten ausgezeichnet sieht, u.a. mit höherer Aufenthaltsqualität für die Menschen (Stichwort Hitze), viel Grün und sicher nutzbar für FußgängerInnen und RadfahrerInnen. Die Mehrheit der Teilnehmenden sieht auch nach Neugestaltung des Platzes weiterhin Angebote zum Parken, wenn auch reduziert und somit könnte der Platz zukünftig etwas verkehrsberuhigter sein.

Mehrteiliger Prozess bis Herbst 2021 – mit Volksbefragung
Es zeigt sich also, dass die Interessenlagen hinsichtlich der Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raums zwischen verschiedenen Aspekten pendeln und dass die Frage, wie die Angebote und Qualitäten des Nibelungenplatzes in Zukunft aussehen sollen, weiter gemeinschaftlich bearbeitet werden sollen – dem wird in den nächsten Phasen des Beteiligungsprozesses genügend Raum gegeben.

Aktuell werden die Beiträge der BürgerInnen im Detail ausgewertet und parallel technische wie funktionale Rahmenbedingungen und Anforderungen erhoben – zum Beispiel betreffend Mobilität, Parkplatzbedarf, Archäologie oder Städtebau. Und so geht es weiter:

  • Ab Ende Juli: Freiluft-Ausstellung am Hauptplatz: Die Ergebnisse des Bürgerdialogs werden im Rahmen einer Freiluftausstellung gezeigt. Transparenz und Nachvollziehbarkeit stehen in diesem Prozess an oberster Stelle. Alle Tullnerinnen und Tullner sollen darüber informiert, werden was zum Projekt der Neugestaltung eingebracht wurde.

  • Ende August: Perspektivenwerkstatt mit öffentlicher Beteiligung: Qualifizierte Planungsbüros erarbeiten auf Basis der bis dahin erhobenen Grundlagen und Ideen im Rahmen der Werkstatt erste Ansätze zur Platzgestaltung. Diese werden im Sinne einer offenen Werkstatt der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt – konkret am 26. August in einer öffentlichen Abendveranstaltung. Hier gibt es erneut die Möglichkeit, konkrete Ideen und Rückmeldungen einzubringen, die in den weiteren Arbeitsprozess einfließen.

  • Herbst: Stadtforum und Grätzl-Tour: Die ausgearbeiteten Varianten werden im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltungsreihe erneut präsentiert und persönliches Feedback dazu wird eingeholt.

  • Herbst: Information und Volksbefragung: In einer Projektzeitung wird umfassend über die Ergebnisse der Planungen informiert und die verschiedenen Varianten werden im Rahmen einer Volksbefragung zur Entscheidung gestellt.

LEADER-Förderung für das Projekt Nibelungenplatz
Die LEADER-Region Donau-NÖ Mitte setzt dank ihren Förderungen wesentliche Impulse in der Regionalentwicklung. Die Stadtgemeinde Tulln konnte bereits mehrere Förderprojekte erfolgreich abwickeln – zuletzt u.a. den Bürgerbeteiligungsprozess für die „Tulln Strategie 2030“ im Rahmen des Projektes „Tulln – Miteinander in der Zukunftsplanung“. Das Förderprogramm dient insbesondere der Unterstützung besonders innovativer Projekte, die einen Beitrag zu den Entwicklungszielen der Region liefern. Eingereichte Projektkosten können mit bis zu 70 Prozent gefördert werden. Die Stadtgemeinde Tulln hat für die Planungsphase zur Umgestaltung des Nibelungenplatzes eine LEADER- Förderung eingereicht und im Juli die offizielle Bestätigung der Förderzusage in der Höhe von rd. € 148.000,- erhalten.

 

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