Fotocredit: © Stadtgemeinde Tulln, Robert Herbst

Stadtgemeinde Tulln setzt auf möglichst viele CO2-neutrale Haushalte

Die Gartenstadt Tulln gibt dem Klima- und Umweltschutz die höchste Priorität. Als Teil der Maßnahmen am Weg zur CO2-Neutralität der ganzen Stadt soll auch in der Bevölkerung noch mehr Bewusstsein und Wissen für dieses entscheidende Thema geschaffen werden – denn jeder Beitrag zählt! Die Stadtgemeinde Tulln und die TullnEnergie luden daher am 20. November zum Informationsabend „Ihr Weg zum CO2-neutralen Haushalt“.

„Mit einer Vielzahl an Projekten und auf Basis des einstimmig beschlossenen Klima-Manifestes geht Tulln als Vorreiterstadt für Klima- und Umweltschutz mit gutem Beispiel voran. Eines unserer Ziele ist es, Privatpersonen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen“, erläutert Bürgermeister Mag. Peter Eisenschenk die Beweggründe für die Organisation des Informationsabends mit Expertenvorträgen und Beratungsständen.

In fünf Expertenvorträgen erfuhren die rd. 170 Gäste des Informationsabends Wissenswertes zu  E-Mobilität, Stromspeicher und Photovoltaik-Anlagen. Aufgrund des großen Interesses wird die Veranstaltung bereits im Frühjahr wiederholt – zu diesem Termin soll zusätzlich die Nutzung von Wasserstoff in das Themenportfolio aufgenommen werden.

Photovoltaik: Amortisation nach spätestens 15 Jahren
Einer von vielen interessanten Fakten der Expertenvorträge: Eine fachgerechte Kombination von Photovoltaik und Batteriespeichersystem im Eigenheim gewährt Sicherheit im Falle eines Blackouts. Ing. Christoph Mehofer stellte außerdem die Möglichkeit für den Einsatz von Wärmepumpen in Kombination mit PV-Anlagen vor und Mag. Gottfried Heneis informierte, dass private PV- Anlagen nicht nur der Umwelt guttun, sondern sich auch wirtschaftlich auszahlen.

Photovoltaik-Anlagen: Einige präsentierte Daten und Fakten

  • Anschaffungspreis einer 5 kWp-Anlage (entspricht ca. dem Stromverbrauch eines Einfamilienhauses): bis max. € 10.000,-
  • Amortisationszeit bei aktuellem Strompreis: 10-15 Jahre
  • Amortisationszeit bei zu erwartendem Anstieg des Strompreises: 7-10 Jahre
  • Einsatzzeit: ca. 25-30 Jahre
  • Förderquote für Anschaffung aktuell € 250,- pro kWp (max. f. 5 kWp)


E-Autos als „Haushaltsbatterie“
Ein großes Thema des Informationsabends war auch die E-Mobilität. So wurde z.B. von DI Matthias Zawichowski erläutert, welches Potential zur Bewältigung von Krisensituationen (z.B. Blackouts) in ihnen schlummert: Das E-Auto von fahrvergnügen.at agierte während der Veranstaltung als Stromquelle für Bildschirme und Laptops und verlor während der Veranstaltungsdauer von mehreren Stunden gerade einmal knapp 6% seiner Ladestandsanzeige. Konzepte, die es uns ermöglichen, unsere Häuser mit Elektroautos zu laden, liegen daher nicht mehr in allzu weiter Ferne. Immer wieder auftretende Kritikpunkte an E-Fahrzeugen wurden dabei auch angesprochen, DI Matthias Zawichowski zu einem davon: „Nur 5% der weltweiten Abbaumenge an Kobalt wird für Batterien von E-Fahrzeugen verwendet – andere Akkus, wie z.B. von Smartphones, machen unvergleichlich größere Mengen aus.“

Elektromobilität: Einige präsentierte Daten und Fakten

  • Anteil der E-Mobilität ca. 1% des aktuellen Fahrzeugbestands in Österreich, Anstieg in den nächsten Jahren auf mehr als 10% erwartet
  • Steigt der Anteil auf 20%, würde nur 8,6% mehr Ökostrom benötiget werden – das entspricht der Stromproduktion von ca. 370 Windrädern.

Vor- und Nachteile, exemplarisch:

+ Gemessen an der Lebenszeit ist die CO2-Bilanz eines E-Fahrzeuges jedenfalls positiv.   
Es ist zu hinterfragen, wie der Ladestrom erzeugt wurde – negativ wäre z.B. aus Kohlekraftwerken, am optimalste wäre die Erzeugung durch die eigene PV-Anlage.

+ Potential des E-Fahrzeugs als vielfältig einsetzbarer Energiespeicher
Die Entsorgung der Batterie ist aufwändiger als bei einem herkömmlichen Auto – sie ist vom Hersteller fachgerecht der Wiederverwertung zuzuführen.

+ Hoher Wirkungsgrad des Elektromotors gegenüber dem Verbrennungsmotor
Höhere Anschaffungskosten – aber dafür geringere Betriebskosten


Große Nachfrage der themenaffinen Gäste
Wie groß das Interesse an Maßnahmen zu Klima- und Umweltschutz ist, zeigte nicht nur die Anzahl der Besucher, sondern auch deren Durchmischung aller Generationen und die Nachfrage an Informationen und Beratung: Allein beim Stand der Klima- und Energie-Modellregion Wagram (KEM) und der ENU (Energie- und Umweltagentur) wurden an diesem Abend 25 Gutscheine für maßgeschneiderte Energieberatungen ausgegeben.

Klimaschutz der Gartenstadt Tulln im großen Stil

Die im Klima-Manifest der Stadtgemeinde Tulln definierten Ziele sind klar: In den nächsten 5 Jahren wird die Stadtverwaltung Tullns CO2-neutral sein, innerhalb der kommenden 20 Jahre wird die gesamte Gartenstadt Tulln das Ziel „CO2-neutrale Stadtgemeinde“ verfolgen. Einige Meilensteine auf dem Weg zu diesem Ziel wurden ebenso präsentiert. Auf großes Interesse stieß die Kooperation der Stadt mit der Universität für Bodenkultur, bei der sämtliche Dachflächen innerhalb der Stadtgemeinde Tulln erfasst wurden und diese nun eine Berechnung des Gesamtpotentials für Sonnenstrom innerhalb Tullns ermöglichen. Die Gesamtpotentialerhebung wird im Frühjahr 2020 fertiggestellt sein.