Fotocredit: © Stadtgemeinde Tulln, Robert Herbst

Gemeinderat billigt Fällungen der Eschen

Im August überstieg die Gefahr für Menschen durch instabile kranke Eschen im Stadtgebiet von Tulln den kritischen Toleranzbereich. Daraufhin ordnete der Bürgermeister die Fällung tausender Bäume an. Eine andere Entscheidung wäre laut einem Sachverständigen vor Gericht nicht haltbar und grob fahrlässig gewesen. Bei der Gemeinderatssitzung am 4. Oktober wurden die Fällungen nun nachträglich von allen Fraktionen – mit Ausnahme der Grünen – legitimiert. Der Schaden durch das Eschensterben beträgt für die Gemeinde vorerst rund 260.000 Euro – darin sind Wiederaufforstungskosten noch nicht berücksichtigt.

Im Rahmen der vergangenen Gemeinderatssitzung hat der gerichtlich zertifizierte Sachverständige Rainer Prosenz die Sachlage und die Entwicklungen erläutert, die im August zu seiner Empfehlung an den Bürgermeister und in der weiteren Folge zu den drastischen Maßnahmen der Baumfällungen geführt haben. Zudem wurden dem Gemeinderat erste konkrete Zahlen über das Ausmaß des finanziellen Schadens präsentiert: Abzüglich der Erlöses aus dem Holzverkauf beträgt der Nettoaufwand für die Stadtgemeinde rd. 260.000 Euro. Die Beeinträchtigung des Budgets durch das Eschentriebsterben wird aufgrund der nun notwendigen Aufforstungsarbeiten weiter steigen.

Die Ursache für diese Kosten begründete der Sachverständige eindeutig: Es war eine klare Gefahr für Menschenleben vorhanden, durch die die Sicherheit auf den vielen Wegen im Wasserpark sowie im Aubad nicht mehr garantiert werden konnte. Da die Stadtgemeinde von der Gefahr wusste, wäre Bürgermeister Eisenschenk im Schadensfall vor Gericht ganz eindeutig zur Verantwortung zu ziehen gewesen. „Kein Richter lässt so etwas durchgehen.“, stellte Prosenz klar. (Details zur Expertise von Rainer Prosenz siehe Aufzählung unten).

Baum- gegen Menschenleben?

Der Grünen-Gemeinderat Gustav Rödl ignorierte die Argumente des Sachverständigen und blieb bei seiner persönliche Meinung, dass er keinen Zusammenhang zwischen Erkrankung und Instabilität der Bäume erkenne und daher auch keine Zwangsläufigkeit der Fällung der Bäume. Die Politik müsse - so Rödl - von „übertriebenen Haftungsfragen“ entkoppelt werden, die zu Maßnahmen wie dieser führen.
Gemeinderat Michael Hanzl (TOP) war völlig anderer Meinung als Rödl: „Menschenleben gehen vor Baumleben.“

Große Solidarität für die Entscheidung des Bürgermeisters
„Ich würde mich freuen, wenn der gesamte Gemeinderat mir gegenüber daher eine gewisse Solidarität zeigt, denn die Entscheidung für die Fällungen habe ich mir nicht leicht gemacht, aber letztendlich war die Aussage des Gerichtssachverständigen für mich bindend“, so Bürgermeister Eisenschenk vor der Abstimmung im Gemeinderat. Nur die Grünen verweigerten die geforderte Solidarität: Gemeinderat Gustav Rödl stimmte gegen die Maßnahmen, die drei weiteren Mandatare der Grünen enthielten sich ihrer Stimmen.


Die Fakten zusammengefasst
Unter anderem folgende Erläuterungen und Fakten präsentierte der Baumsachverständige Rainer Prosenz bei der Gemeinderatssitzung:

  • Das Eschentriebsterben ist eine Erkrankung, die durch einen Pilz hervorgerufen wird.
  • Die Krankheit führt dazu, dass nicht-verholzte, junge Triebe absterben, was langfristig zum Absterben des gesamten Baumes führt.
  • Im Sommer eskalierte die Situation, da auffallend viele Eschen aus Sachverständigensicht nicht absehbar und mit vollständig vermorschten Wurzeln umfielen.
  • Gefallene Bäume waren alle mit dem Pilz befallen, wodurch die Fachexperten von einem eindeutigen kausalen Zusammenhang ausgehen.
  • Der einzige Weg um die Sicherheit in den Wäldern aus Sachverständigensicht garantieren zu können, war die vollständige Entnahme der Eschen.

 

Vorgeschichte: Eschen-Fällungen im August