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 Flüchtlingshilfe in Tulln   Ich will helfen   Erfahrungsberichte 

Erfahrungsberichte

Zahlreiche aktuelle Erfahrungsberichte auf der Seite des Roten Kreuzes
 
1. Begegnungscafé im Rosenheim
Am 1. Oktober um 15 Uhr stieg bei mir die Spannung- im Rosenheim war der Kaffee und das Geschirr angerichtet, die ersten Kuchen, Säfte und ein Obstkorb standen bereit, es waren auch schon einige interessierte und hilfsbereite TullnerInnen zur Stelle. Ich hatte viele Menschen angesprochen und eingeladen- wer würde kommen? Bis 15.15 Uhr nichts- und dann ging es los und der Besucherstrom riss nicht mehr ab- nachdem die ersten Refugees aus Mitterndorf, Elsbach, Königstetten, Sieghartskirchen und Tulln eingetroffen waren wurde rasch klar, dass der kleine Besprechungsraum nicht ausreichen würde. Das Rosenheimteam hatte freundlicherweise schon im Vorfeld erlaubt, auch den großen Festsaal bei Bedarf zu benützen und alle packten an und stellten dort Tische, Sessel und ein tolles Kuchen- und Getränkebuffet auf. Aus den erhofften 20-25 Besuchern wurden rasch über 100- und das fast zu gleichen Teilen TullnerInnen und Flüchtlinge.
 
Ausflug nach Schönbrunn
Heute waren wir, zwei Studentinnen, mit ein paar Bewohnern des Flüchtlingsheims in Tulln im Schönbrunner Tiergarten. Unsere Gruppe bestand aus 3 syrischen Kindern und deren Mutter, und einem Geschwisterpaar aus Afghanistan. Während die Kinder, die schon ein paar Worte Deutsch können, anfangs noch recht eingeschüchtert waren, tauten sie im Laufe der Zeit langsam auf. Obwohl es aufgrund unterschiedlicher Muttersprachen recht schwierig war, sich zu unterhalten, konnten wir trotzdem sehen, dass es den Kindern viel Spaß machte, all die fremden Tiere zu besuchen. Man kann sich nicht vorstellen, was diese Menschen durchmachen mussten, um nach Österreich zu kommen. Daher war es wunderschön, zu sehen, wie die Kinder endlich mal wieder nur Kinder sein konnten, und die Erwachsenen auch die Möglichkeit hatten, abzuschalten. Zusammenfassend war es ein tolles Erlebnis für uns und hoffentlich auch unsere BegleiterInnen,und wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen nur das Beste für ihr weiteres Leben in Österreich!
Kerstin Heidecker
 
Zirkusbesuch
Ich durfte unsere Gäste einige Tage nach ihrer Ankunft mit meinem Sohn gemeinsam in den Zirkus Picard begleiten. Ich selbst war schon einige Jahre nicht mehr im Zirkus und hatte auch ehrlich gesagt keine hohen Erwartungen. Die Begeisterung unserer Flüchtlinge war ansteckend! Das Programm aber auch wirklich toll. Die Freude über die Ablenkung zeigten unsere Gäste in dem sie sicherlich am lautesten geklatscht haben. Am schönsten war aber das herzliche Kinderlachen beim Auftritt des Clowns von Motaz, einem 7-jährigen Flüchtlingskind, der ohne Eltern - nur mit seinem Bruder - so weit geflüchtet ist. Da musste ich mit den Tränen kämpfen. Es war mein bisher schönster Zirkusbesuch.
Maria Hüttmair
 
Besuch der Flüchtlinge bei uns zu Hause
Am Freitag, den 28.8. habe ich 4 Personen von der RK Stelle Tulln zu mir nach Hause einladen können. Es war für meine Familie eine neue Herausforderung, Menschen zu treffen, deren Sprache wir nicht verstehen. Die RK Mitarbeiter hatten uns dies schon angekündigt. Es gab wirklich kein Wort, dass verstanden wurde: Nur Schal
ist sowohl im persischen, arabischen und im deutschen das gleiche Wort. Wir hatten 2 Frauen (19 und 23) und 2 Burschen (zwischen 17 und 20) bei uns. Eine der Frauen nähte ihren Hosensaum, da die Hose zu lang war. Sie konnte die Nähmaschine perfekt bedienen. Die andere Dame telefonierte mit ihrem Mann in Deutschland (auch ein Flüchtling mit wenig Deutsch-Kenntnis) und nahm wenig Kontakt mit uns auf, lächelte mich aber immer freundlich an. Die Buben spielten mit meinen Jungen auf der Playstation Fußball und mein Sohn war begeistert wie gut einer der beiden Buben dies konnte.
Ich konnten mit dem Google-Translator einiges herausfinden:
Die Frau, die auch ihre Hose nähte war sehr freundlich und suchte das Gespräch. So konnte ich erfahren, dass sie aus Afghanistan mit ihrem Freund zu uns geflohen ist, da sie sonst bestraft worden wäre(ich habe nicht genau erfahren wie), denn ihr Vater hatte sie zur Ehe mit ihrem Cousin zwingen wollen. "Sie sei eine Schande für die Familie". Die Burschen hatten Spaß im Garten und trotz fehlender Kommunikation hatten sie sehr offen und herzlich gewirkt.
Wir versuchen zur Zeit hauptsächlich mit den Frauen Kontakt zu halten, da die Burschen durch die sportlichen Betätigungen derzeit gut versorgt sind. Nach 2,5 Stunden brachten wir sie wieder zurück...das war ein komisches Gefühl. Wir freuen uns diese Menschen bei uns gehabt zu haben, da wir nun auch eine Vorstellung von den Flüchtlingen haben.
 
Meine Erlebnisse mit unseren Gästen
Ich meinen Einsatz für die flüchtenden Menschen bisher so erlebt:
…. Ins Thema hineinwachsen… Schritt für Schritt näher rücken … Kontakt aufbauen … eigene Ängste und Zweifel hinsichtlich des Leids, der Schicksale, des Unbekannten abbauen … berührt sein … von den Geschichten, dem Lächeln, der Dankbarkeit der geflüchteten Menschen und auch von der enormen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung rund um mich herum!
Bereits in den ersten Tagen nach der Ankunft der 20 Flüchtlinge in der Bezirksstelle des Roten Kreuz in Tulln hatte ich mit meinem Partner Lebensmittel, eine Fritteuse, einen Bart-/Haartrimmer, einen Teekocher und Hygieneartikel laut Liste der benötigten Dinge besorgt - und alles im Foyer abgegeben. Ich war unsicher bezüglich persönlicher Kontaktaufnahme - ist es nicht zu aufdringlich in den eingerichteten Rückzugsbereich der Menschen einzudringen oder freuen sie sich vielleicht darüber? Wie sehen sie aus? In welchem Zustand befinden sie sich? Werde ich ihnen helfen können oder mich selbst - angesichts meiner Ohnmacht - hilflos fühlen? Werde ich aushalten, was ich zu sehen, zu hören bekomme…?
Beim zweiten Mal traf ich eine Nachbarin, die bereits öfter dort gewesen und deshalb mit den Menschen und auch den - mit den MitarbeiterInnen des Roten Kreuz vereinbarten - Abläufen vertraut war: nachdem ich mich angemeldet hatte, nahm sie mich mit hinauf in den Sozialraum im 1. Stock.
Ich schüttelte viele Hände, schaute in wache, freundliche Augen, spürte die Freude der Menschen über meinen Besuch und die mitgebrachten Dinge. Einige junge Männer lachten mir ein gut gelauntes "Servus, wie geht’s?" entgegen!
Einigen Frauen ging es nicht so gut - sie holten uns in den Schlafraum und erzählten uns, welche Schwierigkeiten ihnen in diesen ersten Nächten zu schaffen machten; einige Frauen weinten, zusammengekauert auf den Feldbetten (die Gott sein Dank rasch gegen Klappbetten ausgetauscht wurden) …. Einer der Männer wandte sich später beim Hinausgehen im Vertrauen mit einem Anliegen an uns.
In der Zwischenzeit - nach fast 3 Wochen - ist sehr viel geschehen, den Menschen wurde bei vielen ihrer Belange und Bedürfnissen geholfen! Sie haben sich wohl als Gruppe zusammengelebt, Regeln für ihr Zusammensein und Formen des Umgangs und der Kommunikation miteinander gefunden! Als ich sie das nächste Mal sah, ging es ihnen sichtlich besser!
Vor etwas mehr als einer Woche startete ich dann mit 4 anderen engagierten Frauen, die schon Deutschunterricht abgehalten und eine Fußballcamp-Teilnahme ermöglicht hatten, mit unseren Autos vom Roten Kreuz in Tulln aus Richtung SOMA. Mindestens 10 unserer Gäste kamen - mit SOMA-Ausweisen und Einkaufstaschen - mit zum ersten Einkauf: im Auto fragte ich die Frauen nochmal nach ihren Namen und versuchte, sie richtig auszusprechen.
Es ist schön, Namen und Gesichter zu verbinden, die Menschen hinter der Überschrift "Flüchtlinge" zu erkennen, deshalb finde ich die Bezeichnung "Gäste" sehr schön!
In aller Ruhe, bescheiden, unaufgeregt sahen sich unsere Gäste um, stellten ab und zu eine Frage zu den Inhaltsstoffen diverser Lebensmittel und kauften einige Dinge ein. Dann ging es wieder zurück.
Beim nächsten gemeinsamen Ausflug - mit den Rädern zum Sommerkino der Grünen im Stadtgraben - war es ein nettes Wiedersehen mit den für die ihnen von allen hier entgegengebrachte Unterstützung sehr dankbaren Menschen!
Der nächste Schritt … auf meinem persönlichen Weg im Umgang mit dieser humanitären Herausforderung…. wird morgen (7.9.) Nacht in der Landesfeuerwehrstelle in Form von Betreuung der 250 aus Nickelsdorf angekommenen Menschen stattfinden.
Mein bisheriges Resümee: Jede einzelne Aktion hilft. Neben konkreten Dingen ist es vor allem die offene Haltung des Willkommen Heißens, das Verständnis für die Nöte und Hoffnungen der Menschen, das hilft und sehr wertvoll ist. Ich fühle mich nicht mehr ganz so ohnmächtig. Ich freue mich, in einer Stadt zu leben, in der es so viele engagierte, couragierte, motivierte, herzensgute Menschen gibt!
Laura Pepe-Esposito, Tulln
 
Das Messe-Wochenende
Lange haben wir zuerst über das Potential der Idee Feuerwerk nachgedacht, da wir die Bewohner des Roten Kreuz nicht hinsichtlich Menschen, Lärm und Licht überfordern wollten! Das einzige Problem, vor dem wir dann tatsächlich standen war allerdings, die Truppe am Ende des Abends wieder zum nach Hause gehen zu überreden!
Nachdem wir also schnell noch einen Notfalltreffpunkt vereinbart haben, schmissen wir uns am Samstag bei Einbruch der Dunkelheit ins Getümmel! Als glücklicher Zufall hat sich erwiesen, dass der Kleinste im Bunde mit seinem Scooter und einem pinken Fahrradhelm unterwegs war, der immer wieder zwischen den Menschenbeinen aufblitzte und damit einen Herzinfarkt bei seinem Bruder und uns jedes Mal aufs Neue gerade noch abgewendet hat!
Als Bürgermeister Eisenschenk das Feuerwerk dann mit einer Rede angekündigte, bei der er auf die unfassbaren menschlichen Tragödien verwies, die sich momentan unweit von uns ereignen, saßen 20 Menschen zwischen den Tullnern, die genau dem entflohen sind. Sie haben es geschafft!
Nachdem wir danach noch einen Stopp beim Rummelplatz eingelegt haben und erst viel zu spät wieder zu Hause waren, war uns allen die Müdigkeit am nächsten Tag ins Gesicht geschrieben! Trotzdem brachen wir zu Mittag mit den Rädern Richtung Messegelände auf! Nachdem ich kurzzeitig die Orientierung verloren habe, übernahm zum Glück der Rest die Navigation und ich war wieder einmal erstaunt, wie viel alle in den letzten 3 Wochen in Tulln gelernt haben!
Nachdem allen in der Donauhalle freundlicherweise Knödel mit Champingnonsoße zur Verfügung gestellt wurde, musste die Küche erst einmal das Rezept herausrücken! Als Nachspeise gab es für die Jungs dann Verkostung am Chili-Stand - ich glaube, manche leiden noch immer!
Ausklingen ließen wir das ereignisreiche Wochenende dann in einem Tullner Eissalon, der ebenfalls ein paar Kugeln für jeden zur Verfügung stellte! Tatsächlich konnten alle ihr Eis auf Deutsch bestellen. Einzig Stracciatella führte zu einigen Knoten in der Zunge - aber zum Glück ist das ja Italienisch!
Vielen Dank an alle Unternehmen, Vereine und die Messe Tulln, die diesen Ausflug ermöglicht haben!
Moni, Stefi, Marin, Mona
 
Grenzenlos-Sommerfest in Greifenstein
Auf Plakaten las ich von einem Sommerfest in Greifenstein organisiert durch den Verein Grenzenlos St.Andrä-Wördern. Ein Sommerfest unter dem Motto grenzenlos viele Nationen. 15 Flüchtlinge meldeten sich für diesen Ausflug an, ich habe nur ein Auto und Platz für 3-4 Personen. Aber Dank der Organisation von Simona hatten wir am Tag des Ausflugs 4 Autos und 20 Minuten später waren wir in Greifenstein.
Es war ein wunderbarer Tag! Es gab ein internationales Buffet, Getränke hatten wir eigene dabei.
Ich bin mit zwei Frauen über die Anlage spaziert, wir haben über Kräuter und Gemüse gesprochen (in Englisch, in Deutsch und mit Hilfe eines Web-Übersetzungsprogrammes auch in Kurdisch). Alle konnten sich auf dem großen Gelände grenzenlos frei bewegen.
Die jungen Männer lieferten sich ein packendes Fußballspiel, während die Frauen im Schatten jubelten. Alle haben sehr viel gelacht, und es war ein wunderbarer Tag!
Meine größte Sorge, sprachliche Differenzen nicht überbrücken zu können, war vollkommen unbegründet. Einige der Flüchtlinge sprechen Englisch und mit Händen und Füßen "sprechen" funktioniert auch.
Ich habe die Flüchtlinge erst vor 4 Tagen persönlich kennengelernt. Selten wurde ich so freundlich und einladend aufgenommen. Das war der erste, aber sicher nicht der letzte Ausflug! Für mich war der Tag eine echte Bereicherung!
Nina
 
Freilicht-Kino in Tulln
Wir verbrachten mit 8 jungen Gästen, die zur Zeit im Roten Kreuz untergebracht sind, einen gemütlichen Abend im "Freilicht Kino" in Tulln ("Searching for Sugarman"). Ausgerüstet mit gespendeten Rädern , Keksen und Decken lässt sich so eine Tour gut bewältigen. Der Film war Englisch mit deutschen Untertiteln, also eine ziemliche Herausforderung. Die Stimmung war aber gut, wenn manche auch meinten, Superman wäre ihnen lieber gewesen als Sugarman ;-). Bei Radtouren empfiehlt es sich auf jeden Fall eine/n Ortskundigen vorausschicken, der/die gut auf Verkehrszeichen etc. achtet!
 

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