9. Tullner Zukunftsforum: 6. & 7. Mai 2022

Das 9. Tullner Zukunftsforum wurde am Freitag, 6. Mai 2022, abends von Bürgermeister Mag. Peter Eisenschenk und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner) feierlich eröffnet.

Im anschließenden Festvortrag beschrieb Univ.-Prof. DDDr. Clemens Sedmak seine Visionen einer urenkeltauglichen Welt. Unter dem Titel „Was wirklich, wirklich zählt“ beleuchtete er in einem ungemein klarsichtigen, eindringlichen Vortrag die Fragen, die sich uns angesichts eines schwierigen Zukunftsszenarios stellen:
Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine zeigen uns: Unser Leben ist fragil, die politische Ordnung zerbrechlich. Wir sehen uns mit düsteren Zukunftsszenarien konfrontiert was unseren Planeten und das ökologische Gleichgewicht angeht. Man darf und muss sich fragen: Was hält, was zählt? Was hat Gewicht und was gibt unserem Leben Gewicht – heute und in Zukunft?
Dr. Sedmaks Ansatz gliedert sich in mehrere Punkte, deren Quintessenz lautet: Was das Wichtigste ist, ist oft auch eine Frage der Situation, in der man im Leben steht. Eines ist aber sicher: Es sind – vor allem auch in unserer Wohlstandsgesellschaft – die immateriellen Dinge, die wirklich zählen. Man sollte das Leben in jedem Moment wertschätzen. Sich bewusst sein, was einen wachsen lässt, was Lebensqualität und Freude bringt. Wie zerstörerisch Gier und Hoffnungslosigkeit wirken. Alles in unserem Leben ist eine Leihgabe und wir sollten uns dieses Umstandes bewusst sein, damit wir nicht in die Situation kommen, die wichtigsten Dinge im Leben erst dann zu erkennen, wenn wir sie verlieren.

Am Samstag, 7. Mai 2022, gaben fünf Referenten spannende Einblicke in ihre Metiers:

Univ.-Prof. Dr. Jesus Crespo Cuaresma: „Die Zukunft von Wirtschaftswachstum und Armut“
Der international tätige Berater der Weltbank und Wirtschaftsforscher bedient sich der Ökonometrie, einem Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften, das die ökonomische Theorie sowie mathematische Methoden und statistische Daten zusammenführt, um wirtschaftstheoretische Modelle empirisch zu überprüfen und ökonomische Phänomene quantitativ zu analysieren.
Interdisziplinär wird mittels Auswertung u.a. von statistischen Daten, Web-Analysen, Satellitenbildern und vielem mehr die wirtschaftliche Entwicklung der verschiedenen Regionen und Länder der Welt festgestellt und auch prognostiziert.
Für die Entwicklung von Reichtum und Bekämpfung der Armut lässt sich generell der Zusammenhang von Bildungszugang und Altersstruktur hervor heben. Bildung ist treibender Faktor für die Altersstruktur, und das BIP pro Kopf/der Reichtum steigt mit dem Bildungsniveau.
In Zukunft wird die Wirtschaft vor allem in industrialisierten Ländern weniger quantitativ als qualitativ zu wachsen. Immer vorausgesetzt, der Klimawandel wirkt sich nicht zu stark aus.

Vizekanzler a.D. Dr. Michael Spindelegger - International Centre for Migration Policy Development: „Migrationsströme nach Europa und ihre Bewältigung“
Migration ist weltweit ein zentrales Thema, das durch die wachsende Weltbevölkerung und die Klimakrise vermehrte Aufmerksamkeit und zwischenstaatlicher Koordination bedarf.
Einerseits ist illegale Migration ein großes Problem, andererseits braucht etwa gerade die Europäische Union Zuwanderung, um den Bedarf an Personen im erwerbsfähigen Alter, Menschen in Mangelberufen wie Technologie, Gesundheit, Pflege, Tourismus u.v.m. zu bedienen.
Zentrale Probleme innerhalb dieser Prozesse ist die mangelhafte Kommunikation und Koordination zwischen den einzelnen europäischen Staaten und Organisationen genauso wie zu starre Bürokratie, was zur Folge hat, das Geflohene zu lange in unkonkreten Situationen verharren müssen, sich Ressentiments aufbauen und vieles mehr.
Das 1993 gegründete und weltweit operierende ICMPD unterstützt dabei niederschwellig mit Schulungen der Betroffenen, Unterstützung und Beratung von Staaten und Koordination von Information, um Ordnung und Transparenz im weltweiten und speziell auch in Richtung Europa führenden Migrationsprozess zu entwickeln.

Die Erste Bank hat es sich zum Ziel gesetzt, mit Produkten und Service zur gesellschaftlichen Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit beizutragen. Aufsichtsratsvorsitzende Gerda Holzinger-Burgstaller führte in ihrem Vortrag „Banken als Partner am Weg zu einer digitalen und nachhalten Zukunft“ aus, wie sehr die Erste Bank die Umsetzung des immer wichtiger werdenden Begriffes „ESG – Environmental, Social, Governance“ als Standard nachhaltiger Anlagen in allen Unternehmensbereichen forciert.
Sie verweist auf die großen Chancen, die die grüne Transformation bietet, nimmt aber auch Hindernisse wahr und verlangt auf staatlicher und EU-Ebene einen klaren Plan, wie das definierte Ziel real in Gesellschaft und Wirtschaft erreicht werden kann.
Hier sieht sie die Erste Bank ganz in der Tradition ihrer Statuten anlässlich der Gründung vor 200 Jahren: Eine Bank zum Zweck, Wohlstand für Menschen zu schaffen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Nation oder Herkunft.

MMag. Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle ortete in ihrem Vortrag „Wenn der Staat zugleich stark und schwach wird. COVID-19 und die Folgen für Politik und Demokratie“ einen mittlerweile quer durch die Bevölkerung gehenden starken Vertrauensverlust in die Politik und Medien. Die durch Individualisierung und Digitalisierung häufig auftretende Polarisierung spiele Populisten in die Hände, die einfache Lösungen als scheinbaren Ausweg anbieten. Auch jüngste politische Skandale tragen das ihre dazu bei. Dabei sind laut Umfragen jedoch Ehrlichkeit, Respekt, mehr Unrechtbewusstsein und weniger Machtdenken gefragt.
Vor allem auch die jüngere Generation sollte mit Gesprächen auf Augenhöhe und durch politische Bildung und Medienkompetenzschulung gefördert und gestärkt werden. Nur die Wiederherstellung des Vertrauens der Menschen ins politische System kann die Demokratie absichern. Die ersten Schritte könnten ein Ende Dauerwahlkampfes, strenge Selbstkontrolle, kein „Whataboutism“ („die anderen machen es auch so“) mehr, der Kampf gegen Fakenews, mehr Bürgerbeteiligung sein sowie ein besseres Zuhören – auch der leisen Personen – sein.

Dr. Fred Luks streicht in seinem Vortrag „Zukunftshoffnung? Die Transformation zur Nachhaltigkeit kann gelingen!“ die Wichtigkeit des Handelns hervor. Immer unter der Prämisse der Hoffnung, die für den Willen zur Änderung steht bei gleichzeitigem Wissen, dass man auch scheitern kann, soll der Wandel aktiv gestaltet werden. Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, eine funktionierende Zivilgesellschaft und nicht zuletzt jeder einzelne selbst müssen eine Zeitenwende einleiten. Dabei sollten technische, soziale und kulturelle Innovation, das Abschaffen von Technologien und Positionen, die sich nicht bewährt haben (Exovation) und auch die Tradition – bewahren, was sich bewährt hat – die Aktionsfelder sein.
Grundsätzlich hält Dr. Luks „Normalität“ für einen gefährlicher Begriff und nennt den in Tulln geborenen Weltkünstler Egon Schiele als gutes Beispiel: er galt zu Lebzeiten als schockierend und anstößig, war aus heutiger Sicht aber ein unglaublich innovativer Künstler.
Er empfiehlt, das Undenkbare für möglich zu halten und nötigenfalls mutig zu sein, um die Welt in die Transformation zur Nachhaltigkeit zu führen.

Das war das Tullner Zukunftsforum 2020

Das 8. Tullner Zukunftsforum fand am 17. und 18. Jänner 2020 statt - mit Eröffungsrede von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen, Festvortrag von Prof. Dr. med. Joachim Bauer unter dem Titel "Was uns als Gesellschaft zusammenhält - Überlegungen aus der Sicht eines Neurowissenschaftlers" sowie folgenden Vorträgen:

  • Univ.-Prof. Dr. Sita Mazumder - Künstliche Intelligenz - Traum oder Albtraum?!
  • Franz Kühmayer - Es war einmal der Mensch. Nachrichten aus dem Maschinenraum der Arbeitswelt
  • Univ.-Prof. DDDr. Franz Josef Radermacher - Energie, Klima, Zukunft - sind wir noch zu retten?!
  • Mag. (FH) Ingrid Brodnig - Das Netz als demokratisches Tool - Wie wir uns für eine faire Debatte in digitalen Zeiten einsetzen können
  • Dr. Armin Wolf - Wozu brauchen wir noch Journalisten?
     

Impressionen vom Tullner Zukunftsforum 2020: Zum Flickr-Album

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